1995 bin ich aus der Versicherungsbranche ausgestiegen. Meine Werte passten nicht mehr zu diesem Arbeitskontext. Was genau damals passiert ist, und warum es heute morgen wieder einen Aufreger des Tages gab, erfährst du in diesem Beitrag.
Erfolg der Menschen ist mir wichtig
Ganz klar ich stehe für Erfolg. Erfolg des Menschen mit seinem Leben, seinem Unternehmen. Aber immer mit Augenmaß. Wir haben im Grundgesetz verankert „Eigentum verpflichtet“. Es bedeutet nicht, dass sich der Einsatz des Einzelnen nicht mehr lohnen und alles an wohltätige Einrichtungen gespendet werden soll. Das ist damit nicht gemeint. Wo die Grenze liegen müsste, weiß ich selbst nicht so genau. Aber es lohnt sich glaube ich, dass wir alle ein wenig aufpassen, was so geschieht. Das der Wohlstand noch gewährleistet wird.
Sicherheitsbestimmungen des VVaG wurden abgeschafft
Zuerst wurden die Sicherheitsbestimmungen des VVaG bezüglich der sicheren Geldanlage für die ihnen anvertrauen Versichertengelder abgeschafft. Das habe ich nach meiner Rückkehr aus Island während einer Schulung zu Anlagefonds bemerkt. Der Dozent meinte, ich sei die Einzige, der das während dieser Schulung jemals aufgefallen sei. Wow, das war 1996. Diese Bestimmung war bei Formulierung des VVaG entstanden, weil bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland die Fehler aus der Weltwirtschaftskrise 1929 verhindert werden sollten.
Berechtigte Schäden sollten abgelehnt werden
Dann kam es auf, das berechtigte Schäden bei Privatkunden (Bsp. Ein Autounfall war passiert, der Schuldige wäre eigentlich für den umfangreichen Personenschaden verantwortlich, der Versicherer hat die Haltung, soll der Geschädigte doch klagen.
Meine Werte stimmen nicht damit überein
Das Ganze hat meine Werte – ich entstamme einer Unternehmerfamilie der weiblichen Linie in fünfter Generation – was Erfolg und Fairness in der Wirtschaft anbelangt – ganz entschieden berührt.
Ich liebte es Verträge für die Produkt- und Produzentenhaftung zu entwickeln
Trotzdem folge ich immer mit Interesse, was dort so passiert. Ich liebte meine eigentliche Tätigkeit sehr. Ich entwickelte Verträge für Unternehmen, um sie vor der Haftung für Produkte und als Produzent zu schützen, so dass ein Wirtschaften mit Risikobeschränkung erfolgen kann. Das war eine sehr interessante und herausfordernde Tätigkeit. Ich liebte es, mich mit dem Risiko von neuen Produkten zu beschäftigen. Die Neugier auf Neues ist bis heute einer meiner Leidenschaften.
Hier nun mein Aufreger des Tages
Und nun lese ich dies aus dem Newsletter der VersicherungswirtschaftHeute: „Lohnt es sich für Versicherungsvermittler überhaupt noch, Privatkunden zu betreuen?“ Ausgerechnet Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), beschleichen bei dieser Frage offenbar Zweifel. „Wir bedienen keine Privatkunden mehr“, sagte Heinz bei einer Branchenveranstaltung mit Blick auf sein eigenes Vermittlergeschäft. „Das ist keine Arroganz, das sind betriebswirtschaftliche Fragen – und die werden sich Vermittlerkollegen hier im Raum immer stärker stellen müssen“, warnte Heinz am Dienstag auf dem Podium des Norddeutschen Versicherungstages 2026.“ Quelle: VersicherungswirtschaftHeute-Newsletter 26.08.2026. Das ist für mich einfach unglaublich. Welche Verachtung der Privatmenschen. Und wer ist nicht auch Privatperson?
Versicherungsverträge sind wichtig
Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin nicht gegen die Absicherung, sprich den Versicherungsvertrag. Wer möchte ohne Kranken-, Hausrat-, Gebäude-, Unfall-, Rechtsschutz-, Kraftfahrzeugversicherung usw. sein. Ich finde Versicherungen sinnvoll. So viel wie nötig, so wenig wie möglich gilt es meiner Meinung nach zu versichern. Allerdings plädiere ich für die Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG).
Die Rechtsform des VVaG – Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
Das ist die genossenschaftlichen Variante des Versicherungsunternehmens. Das hat den Vorteil, dass der Versicherungsnehmer, die Versicherungsnehmerin Eigentum an dieser Versicherung besitzt. Die Doppelrolle von Eigentümereigenschaft und Versicherungsnehmenden hat eine besondere Haltung bezüglich der zu leistenden Dienstleistung gegenüber dem Kunden, der Kundin zur Folge. Ich finde das sehr angenehmen.
Anmerkung
Dies ist kein parteipolitischer Post. Sondern eine für mich erschreckender gesellschaftlicher Umgang mit den (Privat-) Menschen. Ich sage nicht, das betriebswirtschaftliche Belange keine Berücksichtigung mehr finden sollen. Nur geht es nicht, das dafür plädiert wird, dass Vermittler Privatkunden aus diesem Grund nicht mehr als Kunden annehmen sollen.
